Weite Sandbank am Meer unter blauem Himmel mit glitzerndem Wasser als Symbol für inneren Raum und Ruhe zwischen Reiz und Reaktion.

Zwischen Reiz und Reaktion: MEIN Raum

May 10, 20265 min read

Es gibt diese Momente. Eine Nachricht. Ein Tonfall. Ein Satz.
Und plötzlich ist er da: dieser kurze Ruck im Inneren.
Ein Ziehen. Ein Zusammenzucken. Ein „Brrrr…“ im Nervensystem.

Früher hätte ich mich darin verloren.
Hätte nachgedacht, erklärt, gerechtfertigt, gekämpft.
Hätte versucht, es allen recht zu machen – oder zumindest zu verstehen, was alles gerade passiert.

Oder, wenn ich ganz ehrlich bin: Ich hätte manchmal auch blindlings verbal losgeschossen, bis kein Gras mehr wächst – in dem Glauben, mich nur so verteidigen zu können.

Heute ist das anders.


Dein Wegweiser durch diesen Artikel

Wenn sich der Wetterumschwung ankündigt

Der Moment, in dem es kippt

Ich darf fühlen – und klar sein

Grenzen sind kein Angriff

Zurück in die Mitte

Die eigentliche Stärke

Einladung

Und wenn du dabei Begleitung möchtest


Wenn sich der Wetterumschwung ankündigt

Am Samstag war ich draußen unterwegs. 26 Grad, T-Shirt, kurze Hose. Endlich.

Dann kam Wind auf.

Erst ganz sanft und weich. Dann spürbarer. Kühler werdend.
Birkenblätter begannen zu rascheln, der Himmel veränderte sich – und da war plötzlich dieser Geruch.
Dieser ganz besondere Moment, wenn man den Regen schon riechen kann, bevor er überhaupt fällt.

Ich musste an meinen Opa denken, der dann oft sagte: „Es klärt sich auf zum Wolkenbruch.“

Und gleichzeitig war da dieses innere Bild von Mary Poppins, die bleibt, bis der Wind sich dreht.

Nach einer kurzen Pause der Beobachtungen und des Spürens bin ich weitergegangen. Und – wieder mit dem Hund beim Auto angekommen – fielen ganz sanft die ersten Tropfen.

Wetterumschwung sichtbar am Himmel über der Heide
Der Moment vor dem Regen


Der Moment, in dem es kippt

Genau so fühlt es sich manchmal auch im Inneren an.

Wie eine kleine Achterbahnfahrt im Inneren.
Ein kurzer Ruck. Ein Anstieg des Pulses. Vielleicht ein freier Fall.
Und wenn ich nicht bewusst bleibe, sitze ich plötzlich mittendrin – statt einfach nur wahrzunehmen, dass sich da gerade etwas bewegt.

Der Auslöser ist oft klein.
Und nicht selten trifft er etwas Altes.
Nicht, weil ich zu sensibel bin.

Sondern weil mein Körper sich ganz genau erinnert.
An Dynamiken. An Tonlagen. An Situationen, in denen Grenzen nicht geachtet wurden.

Der Körper vergisst nicht. Und genau deshalb ist es so wertvoll, ihn lesen zu lernen.


Ich darf fühlen – und klar sein

Ich habe gelernt, den Moment zu erkennen, bevor ich hineingezogen werde.

Ich spüre: da ist gerade etwas in mir aktiviert.
Gleichzeitig mache ich mir bewusst: Ich bin nicht mehr mittendrin.
Ich beobachte mich dann aus einer Ebene mit Draufsicht. Der Meta-Ebene.

Ich darf fühlen, was ich fühle.
Dabei lerne ich immer feiner zu benennen, was genau ich fühle.
Ich darf benennen, was ich nicht möchte.
Und ich darf das klar und unmissverständlich tun.

Ohne mich zu erklären. Ohne mich zu rechtfertigen.
Und vor allem: Ohne mich in einen Strudel ziehen zu lassen. Je nach Intensität des Auslösers, emotionalem Hintergrund und/ oder Tagesverfassung braucht es dafür mitunter ein paar Minuten – oder auch schon einmal ein paar Tage oder Wochen.


Grenzen sind kein Angriff

Wenn jemand meine Grenze nicht achtet, ist es meine Aufgabe, sie wieder sichtbar zu machen.

Ich muss niemandes Ungeduld auffangen. Nicht die Trägheit eines Systems kompensieren, nur weil ich gerade greifbar bin. Erwartungen, die nicht zu mir gehören, muss ich nicht erfüllen.

Und ich muss mich schon gar nicht von der Energie eines anderen anstecken lassen, der sich echauffiert.

Ich darf denken: Nicht mein Zirkus. Nicht meine Affen.

Manchmal reichen drei Worte:
Nicht meine Zuständigkeit.

Das reicht. Klar genug.
Auch wenn ich – zugegeben – noch am „Apfelschorlen-Ton“ à lá Karin Kuschik arbeite.

Was soll’s – der Mensch braucht schließlich Ziele.

Echauffieren jedenfalls muss ich mich kaum noch.


Zurück in die Mitte

Nach der Klarheit kommt manchmal – auch heute noch – ein Nachschwingen.
Ein Rest.
Eine Welle.

„Ich bin eben auch nur ein Mensch.“, sagt man ja gerne.
Genau.
Ein Mensch.
Keine Maschine, kein Roboter. Kein Programm – und selbst das hat manchmal einen Schluckauf.

Also darf das sein. Das Nachschwingen.

Was ich dann inzwischen schon intuitiv mache: Ich atme bewusst. Ich spüre meine Füße auf dem Boden. Ich bewege mich. Richte mich auf.
Dann gehe ich meist raus.
Lasse mich ganz auf eine andere Umgebung ein. Acht- und aufmerksam. Irgendwann bin ich wieder ganz bei mir.
Irgendwann stelle ich das dann auch noch einmal ganz bewusst fest.
Und darüber freue ich mich.


Die eigentliche Stärke

Die eigentliche Stärke liegt für mich nicht darin, dass uns nichts mehr berührt. Sondern darin, dass wir uns immer wieder selbst halten können.

Kleiner Krebs im Sand. Symbol für Schutz und innere Stärke.

Dass wir fühlen, was da ist – ohne darin unterzugehen.
Dass wir erleben: Es geht vorbei.
Und dass wir nicht mehr alles glauben müssen, was unsere Gedanken daraus machen.

Ich selbst habe lange gebraucht, um zu erkennen: Ich bin es, die den Dingen Bedeutung gibt.
Und seitdem hat sich etwas verändert. Nicht, dass alles leicht ist. Aber ich bestimme heute, wie ich mit dem umgehe, was mir begegnet.


Einladung

Heute, auf meinem Spaziergang, sah ich eine Elster und eine Nebelkrähe, die nebeneinander auf einer Mauer saßen – wach, aufmerksam, jede für sich und doch im selben Raum.

Und später zuhause eine kleine Star-Familie, die sich lebhaft über meine Wurm- und Futtergaben freute.

Solche Momente erinnern mich daran, wie fein abgestimmt Wahrnehmung sein kann – und wie viel sich zeigt, wenn wir wirklich da sind. Präsent. Im Hier und Jetzt.

Vielleicht magst du auch einmal ganz bewusst kurz in dich hineinspüren:

Wie ist dein inneres Wetter gerade?

Woran merkst du, dass sich etwas verändert?

Du bist nicht zu empfindlich.

Du bist verbunden. Und du darfst lernen, diese Verbindung zu dir selbst zu halten.

Und wenn du dabei Begleitung möchtest...

...bin ich gern für dich da und begleite dich dabei, diesen „Muskel“ weiter zu trainieren – achtsam, in deinem Tempo und ohne Druck.

Wenn du tiefer einsteigen möchtest, wirf dazu gern einen Blick auf meinen Artikel Bist du coachbar? Über Resilienz, Haltung & innere Stärke.Dort findest du weitere Impulse und Gedanken rund um Nervensystem, Regulation und bewusste Selbstführung.

Vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment, dir selbst ein Stück näher zu kommen.Vom Verstehen ins Erleben – So kannst du 2026 mit mir zusammenarbeiten– in diesem Artikel findest du weitere Impulse und Möglichkeiten, diesen Weg für dich zu vertiefen.

Katja Schoonbergen ist Tiefendialog-Coachin und Gründerin der Wunder-B.A.R. – einem Raum für Bewusstheit, Achtsamkeit und Reflektion.

Sie begleitet Menschen dabei, innere Prozesse zu verstehen, eigene Antworten zu finden und sich selbst wieder klarer zu sehen.

In ihrem Blog schreibt sie über das, was zwischen Denken und Fühlen geschieht – über Wahrnehmung, Entwicklung und die leisen Veränderungen, aus denen neue Wege entstehen.

In ihrer Wahlheimat, der Lüneburger Nordheide, entstehen aus dem Leben ihre Impulse – mit Leuchtturm-Blick, Cappuccino und einem offenen Herzen für Menschen, die viel geben und sich selbst dabei nicht verlieren wollen.

Katja Schoonbergen

Katja Schoonbergen ist Tiefendialog-Coachin und Gründerin der Wunder-B.A.R. – einem Raum für Bewusstheit, Achtsamkeit und Reflektion. Sie begleitet Menschen dabei, innere Prozesse zu verstehen, eigene Antworten zu finden und sich selbst wieder klarer zu sehen. In ihrem Blog schreibt sie über das, was zwischen Denken und Fühlen geschieht – über Wahrnehmung, Entwicklung und die leisen Veränderungen, aus denen neue Wege entstehen. In ihrer Wahlheimat, der Lüneburger Nordheide, entstehen aus dem Leben ihre Impulse – mit Leuchtturm-Blick, Cappuccino und einem offenen Herzen für Menschen, die viel geben und sich selbst dabei nicht verlieren wollen.

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