Digitale Sketchnote von Menschen und Hunden beim gemeinsamen Unterwegssein, Nähe und Resonanz im Alltag.

Warum Coaching kein Gespräch unter Freundinnen ist - und genau deshalb wirkt

January 19, 20267 min read

Wenn aus Zuhören Raum wird

Ein privates, langes Gespräch mit einer langjährigen Weggefährtin und Freundin wurde kürzlich zu etwas, das nicht als Coaching intendiert war – und mich gerade deshalb tief berührt und mir eine neue Klarheit geschenkt hat.

Es war kein Coaching. Kein bewusster Prozess. Und vielleicht gerade deshalb ein sehr ehrlicher Spiegel meiner Arbeit, meiner Haltung und meiner Grenzen.

Haltung ist nichts, was ich einschalte. Sie ist da - unabhängig vom Kontext.



Wenn Verstehen nicht ausreicht

Wir haben gesprochen, reflektiert, eingeordnet. Uns ausgetauscht. Biographien, Prägungen, Muster wurden sichtbar. Ebenso unser beider Veränderungen und Entwicklungen.

Das war sehr wertvoll.

Es tut gut, sich selbst einordnen zu können. Sich im anderen gespiegelt zu sehen. Bestätigung für das eigene Sein und Handeln zu erfahren. Oder sich einfach zu freuen, mit einer Haltung, einer Wahrnehmung, einer Meinung nicht allein zu sein.

In der konkreten Situation zeigte sich noch etwas: Verstehen allein schafft noch keinen Raum zwischen Reiz und Reaktion. Es erklärt – aber es verändert nicht automatisch.

Nachhaltige Veränderung entsteht dort, wo Einsicht verkörpert wird. Wo etwas nicht nur gedacht, sondern erfahren werden darf.


Entscheidung statt Müssen

Ein leiser Wendepunkt im Gespräch war ein Perspektivwechsel, der nichts beschönigt hat – aber Ordnung brachte.
Nicht: Ich musste so handeln.
Sondern: Ich habe eine Entscheidung getroffen – mit Konsequenzen.

Diese Verschiebung hat den Schmerz nicht kleiner gemacht. Er blieb – als eine der Konsequenzen der getroffenen Entscheidung.
Was sich jedoch veränderte, war sein Ort. Weg von Ohnmacht. Hin zu Würde und Selbstverantwortung. Und doch wurde an dieser Stelle etwas spürbar, das darüber hinausging.

Denn Verantwortung zu übernehmen ist besonders dann schwer, wenn wir uns mit dieser Entscheidung nicht gesehen fühlen. Wenn Anerkennung ausbleibt – von dort, wo wir sie uns insgeheim erhofft haben.
Manchmal zeigt sich erst in diesem Moment, wie sehr wir immer noch auf ein äußeres Gegenüber warten, das sagt: „Ich sehe dich. Deine Entscheidung war richtig.“

Und manchmal gibt es diese Stimme nicht.

Dann wird deutlich, dass zur Übernahme von Verantwortung auch der Abschied von einer bestimmten Erwartung gehört: der Sehnsucht nach Anerkennung im Außen.


Die tiefere Wunde benennen

Hinter dem Erleben von fehlender Anerkennung zeigt sich oft etwas Älteres, Tieferes.
Eine Verletzlichkeit, die viele von uns kennen - auch wenn sie unterschiedliche Namen trägt. Sie will nicht analysiert werden. Nicht dramatisiert. Und nicht vorschnell aufgelöst.

Oft genügt es, sie behutsam zu benennen.
Dann kann Stille entstehen.
Eine Stille, die nicht leer ist. Sondern weich und tragend.

In ihr öffnet sich ein innerer Raum, in dem Prozesse möglich werden.
Ohne Überforderung. Ohne Abrutschen.

Durch Resonanz, aus der sich mit der Zeit Integration ergeben kann.


Wirkung – obwohl es kein Coaching war

Obwohl dieses Gespräch kein Coaching war, entstand etwas Wesentliches:

  • Entlastung

  • Weite

  • eine neue innere Perspektive

Nicht durch Technik.
Nicht durch Ratschläge.

Sondern durch Präsenz. Durch Aushalten von Spannung. Durch das bewusste Nicht-Retten.
Und genau hier wurde mir etwas sehr klar:


Freundschaft und Coaching - keine austauschbaren Puzzlesteinchen

Freundschaft lebt von Gegenseitigkeit. Da gibt es

  • Austausch

  • eigene Anteile

  • geteilte Geschichten

  • Nähe durch Gemeinsamkeit

  • Abgleich von Perspektiven

  • manchmal mehr Fokus auf den einen, mal mehr Fokus auf den anderen

Coaching – oder ein professioneller Begleitungsraum – folgt einer völlig anderen Ausrichtung:

  • Fokus einzig auf die begleitete Person

  • Resonanzfläche und Spielfläche für die Begleitete

  • kein eigener Redeanteil

  • keine Gegengeschichte

In keiner Sekunde geht es dort um mich.

Beides ist wertvoll. Aber es ist nicht dasselbe.


Gesehen werden wollen

Es ist genau das, was uns Menschen verbindet: der Wunsch nach Resonanz. Nach Verbindung. Nach Gesehen werden.

Und zwar, nicht erst, wenn alles sortiert und aufgeräumt ist. Sondern oftmals gerade dann, wenn es innerlich komplex wird. Zu komplex, um allein damit umzugehen.

Freundschaften tragen dieses Bedürfnis auf ihre Weise - in Gegenseitigkeit und geteilter Erfahrung.
Und doch stellen wir manchmal fest, dass wir in solchen Momenten vor allem eines bräuchten: jemanden, der einfach nur zuhört.

Stattdessen erhalten wir oftmals – durchaus wohlgemeinte – Ratschläge. Oder Geschichten, die von unserem eigentlichen Bedürfnis ablenken. Manchmal auch ein Abwinken, weil dem Gegenüber nicht verständlich ist, warum mich diese Situation gerade so sehr umtreibt.
Enttäuschung, Kränkung und mitunter auch Rückzug können die Folge sein.

Nicht, weil etwas falsch läuft. Sondern weil eine Freundschaft diesen Bedarf nicht immer decken kann.


Ein anderer Raum

Begleitungsräume decken diesen Bedarf auf eine andere Weise: fokussierter, klarer, gehalten. In einem feinen Rhythmus aus Folgen und Führen.

Ein ganz wesentlicher Unterschied liegt im Zuhören.

Im Alltag hören wir oft, um zu antworten. Um uns zu verbinden. Um eigene Erfahrungen zu teilen, einzuordnen, zu trösten.
Dieses Zuhören ist menschlich. Es schafft Nähe. Und es hat seinen Wert.

Porträt von Katja Schoonbergen, zur Hälfte real und zur Hälfte als abstrahierte Spiegelreflexion dargestellt.

Im begleitenden Raum tritt etwas anderes in den Vordergrund. Ein Zuhören, das sich zurücknimmt. Das nicht ergänzt und nicht vergleicht.

Ein Zuhören, das Raum lässt – damit sich etwas Eigenes zeigen kann.

Auch jenseits von Worten.

Nicht besser. Sondern anders ausgerichtet.

Wie unterschiedlich Zuhören wirken kann, ist mir in diesem Zusammenhang erneut bewusst geworden.
Deshalb habe ich mich entschieden, diesem Thema einen eigenen Raum zu geben.

In einem separaten Artikel gehe ich der Frage nach, welche verschiedenen Arten des Zuhörens es gibt – und warum sie einen so großen Unterschied machen.


Eine Grenze ist kein Rückzug

Manchmal entsteht nach solchen Gesprächen der Wunsch nach mehr Tiefe, mehr Raum, mehr davon. Besonders dann, wenn etwas nachhallt und weiterwirkt.

Und doch braucht es ein ehrliches Spüren: Nicht jede Tiefe gehört in den privaten Raum.
Nicht jede Dauer ist dort tragfähig.

Ich habe eine feine innere Trennschärfe. "Dienst und Schnaps" vermag ich klar zu trennen. Ich könnte eine Freundin begleiten – und das im Privaten ruhen lassen. Und ich könnte mir vorstellen, dass aus einer professionellen Begleitung irgendwann Freundschaft entsteht – ohne dass sich beides vermischt.

Doch es geht an dieser Stelle um mehr als meine persönliche Grenze.


Warum Tiefe einen gehaltenen Raum braucht

Manche Themen, die in der Tiefe berührt werden, brauchen Zeit.
Raum.
Und einen geschützten Rahmen, in dem sie sich setzen, verankern und integrieren können und dürfen.

Nicht jedes Erkennen möchte sofort weitergesprochen werden. Nicht jede Bewegung braucht Anschluss im Alltag.

Gerade dann, wenn innere Prozesse angestoßen werden, ist es wohltuend, wenn ihr Rhythmus gehalten wird – achtsam, verlässlich, steuerbar.
Das gelingt im professionellen Kontext oft leichter als im Privaten.

Beziehung darf bleiben.
Nähe auch.
Doch Tiefe braucht manchmal einen Raum, der nicht ständig offen ist – sondern bewusst gehalten.

Das ist kein Rückzug. Und nicht nur eine Grenze für mich.
Es ist eine Form von Fürsorge für das Wohlbefinden aller Beteiligten.
Integrität.


Die stillen Kosten des Alleingehens

Nicht alles lässt sich allein tragen.
Nicht alles muss es auch.

Die Kosten sind selten monetär, eher existenziell:

  • lange innere Schleifen

  • Erschöpfung durch ständige Selbstregulation

  • Alleinsein mit Komplexität

  • Verharren im Funktionieren

  • und nicht selten auch Frustration und Ungeduld, weil Verstehen und Umsetzen so selten Hand in Hand gehen

Begleitung verkürzt den Weg nicht. Aber sie teilt die Last.


Meine Haltung – und meine Einladung

Meine Arbeit bewegt sich genau hier: zwischen Verstehen, Würdigen und Verkörpern.
Zwischen Denken, Fühlen und Erfahrung.

Ich löse keine Probleme.
Ich halte Räume, in denen Menschen sich selbst wiederfinden.

Sicherheit vor Strategie.
Beziehung vor Methode.
Verkörperung vor reiner Einsicht.

Die Entscheidung bleibt immer bei dir.


Klarheit darf sich ent-wickeln

Was ich anbiete, entsteht aus dem, was ich lebe.
Weniger aus Konzepten, mehr aus Erfahrung.

Diese sich ent-wickelnde Klarheit spiegelt sich gerade auch in der Neugestaltung meiner Webseite wider: als Einladung in Kontakt zu kommen – und als klare Benennung dessen, wofür ich Räume halte.

Zu meinen Räumen findest du über meinen Linktree– oder schreib mir gern direkt über das Kontaktformularoder perE-Mail.

Ich freue mich, von dir zu lesen.

Herzlich
Katja🌿

Katja Schoonbergen ist Tiefendialog-Coachin und Gründerin der Wunder-B.A.R. – einem Raum für Bewusstheit, Achtsamkeit und Reflektion.

Sie begleitet Menschen dabei, innere Prozesse zu verstehen, eigene Antworten zu finden und sich selbst wieder klarer zu sehen.

In ihrem Blog schreibt sie über das, was zwischen Denken und Fühlen geschieht – über Wahrnehmung, Entwicklung und die leisen Veränderungen, aus denen neue Wege entstehen.

In ihrer Wahlheimat, der Lüneburger Nordheide, entstehen aus dem Leben ihre Impulse – mit Leuchtturm-Blick, Cappuccino und einem offenen Herzen für Menschen, die viel geben und sich selbst dabei nicht verlieren wollen.

Katja Schoonbergen

Katja Schoonbergen ist Tiefendialog-Coachin und Gründerin der Wunder-B.A.R. – einem Raum für Bewusstheit, Achtsamkeit und Reflektion. Sie begleitet Menschen dabei, innere Prozesse zu verstehen, eigene Antworten zu finden und sich selbst wieder klarer zu sehen. In ihrem Blog schreibt sie über das, was zwischen Denken und Fühlen geschieht – über Wahrnehmung, Entwicklung und die leisen Veränderungen, aus denen neue Wege entstehen. In ihrer Wahlheimat, der Lüneburger Nordheide, entstehen aus dem Leben ihre Impulse – mit Leuchtturm-Blick, Cappuccino und einem offenen Herzen für Menschen, die viel geben und sich selbst dabei nicht verlieren wollen.

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